Wedemark

60 Jahre Ehe, ein bewegtes Leben und eine besondere Ehrung

[BISSENDORF]

Inge und Günther Bolte feiern ihre Diamantene Hochzeit. Ortsbürgermeister Gerberding gratuliert persönlich und überreicht Auszeichnungen von Region und Land. Ihre Geschichte erzählt von Schicksal, Liebe und Zusammenhalt.

Am gestrigen Mittwoch, den 26. Februar 2025, feierten Inge und Günther Bolte ihren 60. Hochzeitstag – ein beeindruckendes Jubiläum, das von tiefer Verbundenheit und bewegten Lebensgeschichten geprägt ist. In ihrem Zuhause am Lohwiesenring in Bissendorf blicken sie auf sechs Jahrzehnte gemeinsamer Erinnerungen zurück.

Das Jubiläumspaar hat keine Kinder, und so verbrachten sie ihre bisherigen Hochzeitstage meist alleine. Doch an diesem Hochzeitstag erhielten sie besonderen Besuch: Ortsbürgermeister Herr Gerberding, der auch ihre Liebe zur Musik teilt, überreichte ihnen feierlich die Urkunde der Gemeinde. Zudem erhielten sie eine Glückwunschsurkunde von Regionapräsident Steffen Krach sowie eine Gratulationsurkunde von Daniela Behrens, der Innenministerin des Landes Niedersachsen. Herr Gerberding betonte dabei, wie wichtig es sei, Geschichten wie die von Inge und Günther Bolte niederzuschreiben, da es immer weniger Menschen gibt, die den Krieg persönlich erlebt haben.

Die Geschichte von Inge und Günther Bolte begann bereits kurz nach Kriegsende 1945. Inge, die aus Ostpreußen stammte, floh mit ihrer Familie vor den heranrückenden russischen Truppen. Ihr Vater war verletzt und lag im Krankenhaus, während ihre Tante, die als Dienstmädchen bei einer jüdischen Familie in Hannover arbeitete, die Familie aufnahm. So führte das Schicksal Inge nach Niedersachsen, wo sie ihren künftigen Mann kennenlernte. 1965 gaben sie sich in Rethen/Leine in Laatzen das Jawort, nachdem sie sechs Jahre zusammen waren.

Inge Bolte war gelernte Herrenschneiderin und hat sogar ihrem Vater einen Herrenanzug zur Gesellenprüfung geschenkt. Der Ehemann studierte Ingenieurwesen im Bereich Apparateverfahrenstechnik und war zunächst ein Einzelgänger – bis Inge in sein Leben trat. Gemeinsam meisterten sie Höhen und Tiefen. Er war fasziniert von ihrer Abenteuerlust – besonders, als sie mit einer Freundin alleine nach Österreich an den Achensee reisen wollte, während er Hannover kaum verlassen hatte.

Ihr gemeinsamer Weg führte sie 1983 nach Bissendorf, wo sie durch einen Zufall ihr Grundstück fanden. Während eines Besuchs bei Freunden erfuhren sie von den geplanten Neubauten in der Gemeinde. Auf der Arbeit ermutigte die Sekretärin den damals bei Jesko arbeitenden Günther zur Bewerbung – und es stellte sich heraus, dass nur noch zwei Grundstücke verfügbar waren. Nach einer kurzen Überlegung wählte er das Grundstück, das am nächsten zum Bahnhof lag. Es war eine Fügung, die den Rest ihres Lebens veränderte und sie in die Wedemark brachte.

Eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielte stets die Musik. Inge ist musikalisch, hatte aber nie ein eigenes Klavier aufgrund der ärmlichen Verhältnisse damals. Günther hingegen erhielt irgendwann ein Akkordeon zu Weihnachten und begeisterte sich für klassische Musik – Bach und Beethoven zieren heute die Wand über seinem modernen Klavier. Auch das Wandern zählte zu ihren gemeinsamen Hobbys, besonders Reisen nach Südtirol hinterließen bleibende Erinnerungen. Günther sieht sich selbst als Kosmopolit, da er beruflich viele Länder bereiste und Menschen aus aller Welt kennenlernen durfte – von China bis Israel. Diese Erfahrungen haben seinen Blick auf die Welt geprägt und ihm ein tiefes Verständnis für unterschiedliche Kulturen vermittelt.

Ihr Geheimnis für eine glückliche Ehe? „Vertrauen“, sagen sie einstimmig. Meinungsverschiedenheiten gibt es kaum – und wenn, werden sie problemlos gelöst. Günther ist ein Mensch, der nie Sport mochte, aber stets fit blieb. Das Leben bereitet ihnen Freude, auch wenn Inge mittlerweile eine leichte Behinderung beim Gehen hat – doch beschweren tut sie sich nicht.

Trotz aller Herausforderungen blicken sie mit Zufriedenheit zurück – auf eine Liebe, die sich bewährt hat, und auf ein Leben, das sie mit Freude und gegenseitiger Unterstützung gemeistert haben. Doch für Günther gibt es ein klares Ziel: „Ich möchte noch 14 Jahre leben, damit ich Inge mit 100 Jahren sehen kann.“

 

Download als PDF

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Überprüfen Sie auch
Schließen
Schaltfläche "Zurück zum Anfang"